Vortragsreihe
der Bet Tfila –
Forschungsstelle

 

Zu aktuellen Themen der jüdischen Architektur und des jüdischen Kulturerbes veranstaltet die Bet Tfila – Forschungsstelle eine Vortragsreihe, zu der Sie nationale und internationale Wissenschaftler an die Technische Universität Braunschweig einlädt.


Corona-Pause
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Aufgrund der anhaltenden Kontaktbeschränkungen im Zuge der Covid-19-Pandemie können zur Zeit an der Technischen Universität Braunschweig keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden. Tragen Sie sich in unseren Verteiler ein, um über aktuelle Vorhaben der Bet Tfila – Forschungsstelle informiert zu werden.

 

Vortragsarchiv

Mehrere hoch- und spätmittelalterliche Gebäude bilden den Wohn- und Handelskomplex am heutigen Benediktsplatz in Erfurt. Barbara Perlich berichtet in ihrem Vortrag Auszüge aus dem gleichnamigen Buch (Bet Tfila-Schriften, Bd. 11, Imhof-Verlag 2019), u. a. verdeutlich sie die Baugeschichte dieses heute stark verdichteten Quartiers, dessen Gründungsbauten bis in das 12. Jh. zurückverfolgt werden können. Neben der reinen Wohnnutzung ergaben sich Hinweise auf ein durch jüdische Bauherren errichtetes Kaufhaus, und, völlig überraschend, der Nachweis eines in der Mitte des 13. Jh. eingerichteten jüdischen Betraums, dessen Ausmalung weitgehend erhalten ist.

Dr.-Ing. habil. Barbara Perlich studierte Architektur mit Denkmalpflege und Kunstgeschichte an der TU Berlin und war Stipendiatin im Graduiertenkolleg Kunstwissenschaft – Bauforschung – Denkmalpflege (Bamberg/Berlin). Bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. PostDoc an der TU Berlin im Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte, seither hatte sie Vertretungs- bzw. Gastprofessuren in Weimar (Bauhaus-Universität) und Erfurt (FH, Restaurierung/ Konservierung und Architektur).

Häuser stellen beliebte Kulissen für Familiensagas und Generationenerzählungen dar. In ihrem Vortrag geht Sonja Dickow der Frage nach, was passiert, wenn Häuser selbst zu den Hauptfiguren der literarischen Texte werden und angesichts der jüdischen Geschichte des 20. Jhs. ihre Funktion als Orte der Beständigkeit verlieren und unheimlich werden. Anhand von Beispiellektüren aus dem Buch "Konfigurationen des (Zu-)Hauses. Diaspora-Narrative und Transnationalität in jüdischen Literaturen der Gegenwart" (J. B. Metzler-Verlag, 2019) beleuchtet der Vortrag, wie die Gegenwartsromane ausgerechnet anhand der Immobile über Flüchtigkeit, Mobilität und Mehrfachverortung reflektieren und welche alternativen Orte der Zugehörigkeit die Protagonistinnen und Protagonisten errichten.

Dr. Sonja Dickow studierte Literaturwissenschaft und Kulturanthropologie an der Universität Hamburg und war Stipendiatin in der Promotionsförderung des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt am "Da'at Hamakom": Center for the Study of Cultures of Place in the Modern Jewish World in Jerusalem arbeitete sie am Universitätskolleg Hamburg. Seit April 2019 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden.

Im Mittelpunkt des Pesachfestes, das alljährlich im Frühjahr, am 15. Nissan begangen wird, steht das Gedenken an die wundersame Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft: "An diesem Tag erzähl deinem Sohn: Das geschieht für das, was der Herr an mir getan hat, als ich aus Ägypten auszog," heißt es im Buch Exodus. In dieser Auflage, die Geschichte der Befreiung an die nächste Generation weiterzuleiten, liegt ein prägnant didaktisches Element, das dem Ritual, welches im Familienkreis gefeiert wird, zugrunde liegt. Seit dem späten 13. Jh. beschäftigt sich die jüdische Kunst vielfach mit der Haggada, dem liturgischen Text, der das Fest begleitet. Der Vortrag zeigt, wie die besonders im 15. Jh. entwickelten Illustrationsprogramme der Haggada in Ashkenas diese didaktischen Funktionen wahrnahmen.

Prof. Dr. Katrin Kogman-Appel ist Judaistin, Mediävistin und Kunsthistorikerin. Sie lehrte in Jerusalem, Beer Sheva, den USA und Mexiko und hat seit 2015 eine Humboldt-Professur an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster inne. Sie erforscht u. a., was jüdische Buchmalerei über das religiöse und kulturelle Leben der Juden des Mittelalters aussagt.

Die Profanbauten des Architekten Constantin Uhde (1836–1905) prägen auch heute noch das Städtebild seiner Heimatstadt Braunschweig. Seine Sakralbauten – die Neue Synagoge in Braunschweig (1873–1875), die Synagoge in Wolfenbüttel (1893) und der Entwurf für eine Synagoge in Dortmund (1896) – sind zerstört bzw. blieben unausgeführt. In ihrem Vortrag widmet sich Dr.-Ing. Chr. Krafczyk dem Schaffen des Braunschweiger Hochschullehrers, der ebenso durch sein umfassendes publizistisches Werk Bedeutung für die Bewertung der Architektur des Historismus gewonnen hat.

Dr.-Ing. Christina Krafczyk ist Präsidentin des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD). Sie begann ihre Laufbahn als Assistentin bei Uta Hassler am Lehrstuhl Denkmalpflege und Bauforschung an der TU Dortmund. Während dieser Zeit war sie mit eigenem Büro in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften tätig. Ab 2005 arbeitete sie als Oberassistentin am Institut für Denkmalpflege im Department Architektur der ETH Zürich sowie seit 2008 am Institut Bauwerkserhaltung und Tragwerk im Department Bauingenieurwesen der TU Braunschweig mit einem Lehrauftrag für Bautechnikgeschichte. Frau Krafczyk ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte, Mitglied der Denkmalkommission Niedersachsen, der Architektenkammer Niedersachsen und bei ICOMOS. Im Jahr 2013 legte sie ihre Dissertationsschrift vor, in der sie sich dem Architekten Constantin Uhde und seinem Œuvre widmete.

Das Bild der christlichen Legendenfigur des Ewigen Juden Ahasver ist heute stark geprägt durch seine Verwendung in der antisemitischen Propaganda der Nationalsozialisten. Angesichtes dieser ideologischen Vereinnahmung scheint es kaum vorstellbar, dass sich jüdische Künstler mit der Figur beschäftigt haben. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts machten zahlreiche deutsch-jüdische Autoren Ahasver zum Protagonisten ihrer Dichtungen und Romane. Seit dem späten 19. Jahrhundert setzten sich dann auch namhafte bildende Künstler jüdischer Herkunft in Deutschland und Osteuropa mit dem Ewigen Juden auseinander und schufen durch ihre Umdeutungen eine vielschichtige jüdische Identifikationsfigur. Dieser Entwicklung wird Dr. Lea Weik anhand zahlreicher Bildbeispiele nachgehen.

Dr. Lea Weik ist Judaistin und Kunsthistorikerin. Nach ihrem Studium an der Freien Universität Berlin und am Trinity College Dublin absolvierte sie ein Volontariat im Jüdischen Museum Berlin. Anschließend arbeitete sie dort mehrere Jahre im Archiv und in der Bibliothek. Seit September 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Braunschweigischen Landesmuseum für ein Kooperationsprojekt tätig, das sich mit der Entwicklung jüdischer Gemeinden in Deutschland seit der Schoa befasst.

Schlesien gehörte zu den wichtigsten mitteleuropäischen Regionen synagogaler Architektur im Mittelalter und im 19. Jahrhundert. Von etwa 100 schlesischen Synagogen, die bis 1938 bzw. 1940 (polnisches Oberschlesien) existierten, überdauerten etwa 15 Bauten. In seinem Vortrag analysiert Dr. Kos anhand von ausgewählten Beispielen schlesischer Synagogen die Geschichte und den aktuellen Zustand dieser Baugattung.

Dr. Jerzy Krzysztof Kos ist Kunsthistoriker und Archäologe und beschäftigt sich mit der Geschichte der europäischen, insbesondere schlesischen, Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich unter anderem auf die sakrale Architektur des 18. Jahrhunderts und die Architekturgeschichte des schlesischen Synagogenbaus. Dr. Kos ist Mitarbeiter des Kunsthistorischen Instituts an der Universität Breslau; er nahm an verschiedenen internationalen Forchungsprojekten – u.a. mit der Freien Universität zu Berlin, den Universitäten Hamburg und Wien sowie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – teil.

Ausstellung, Filmvorführung und Buchpräsentation der »Spring School Tel Aviv« im Rahmen der Vortragsreihe der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa im Ausstellungspavillon der Technischen Universität Braunschweig.

2018/19 erforschten 24 Architekturstudierende der Bezalel Academy of Arts and Design, Jerusalem, der Technischen Universität Braunschweig, der Universität Innsbruck und der Hochschule Mainz die Architektur des Bauhauses in Dessau und der Weißen Stadt Tel Aviv. Sie setzten sich mit Fragen auseinander wie: Was ist Bauhaus-Architektur? Welche besonderen Herausforderungen stellen sich im Umgang mit diesen Bauten der 1920er- und 1930er-Jahre für die Denkmalpflege in Deutschland und Israel? Und wie können die Bauten für heutige Bedürfnisse umgebaut werden?

Der Workshop wurde durch ein Filmteam der Hochschule Mainz begleitet. Der Film »More than Bauhaus – the Architecture of the White City Tel Aviv« dokumentiert die gemeinsame Arbeit in Dessau und Tel Aviv. Der gleichnamige Katalog und die Ausstellung präsentieren die Ergebnisse des Workshops und analysieren Geschichte, Gemeinsamkeiten und Trennendes zwischen dem Dessauer Original und der Architektur in Tel Aviv.

Sephardische Juden waren die ersten Synagogenbauer in Amerika, aschkenasische Juden folgten und spätestestens Mitte des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche Bauten entstanden. Aufgrund der in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit konnten die Juden ihre Gotteshäuser freier gestalten als in Europa. Mit wachsender Immigration, vor allem aus deutschsprachigen Ländern, entwickelte sich im Synagogenbau architektonischer Ehrgeiz – beeinflusst durch neue Ideen zur Liturgie, Design und neuen Materialien. Diese Entwicklung wurde ab den 1880er Jahren durch osteuropäische Einwanderer in Frage gestellt. Die Themen Orthodoxie, Stil und Moderne prägten die Diskussionen zwischen den Weltkriegen, während in jüngster Zeit Mischehen, ethnische Identifikation und Post-Moderne die Architektur beeinflussen.

Prof. Dr. Carol Herselle Krinsky lehrt am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der New York University. Sie ist eine seit langem anerkannte Expertin für jüdische Architektur; ihr 1988 in deutscher Sprache erschienenes Buch "Europas Synagogen" ist bis heute ein grundlegendes Werk.

Gedruckte Kochbücher im Allgemeinen sind im Allgemeinen seit langem bekannt, doch explizit jüdische Kochbücher finden sich erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als im Zuge der Verbürgerlichung und Emanzipation der deutschen Juden bzw. der Verstädterung viele lokale Traditionen beginnen verloren zu gehen. Heirat zwischen Juden und Christen sowie die Auflösung traditioneller religiöser Bindungen erzeugten Mischformen von Rezepten, wenn etwa nichtjüdische Speisen an jüdische Vorschriften angepasst werden – z.B. das nichtkoschere Gericht "Birnen Bohnen und Speck" in den östlichen Provinzen Preußens. Die Emigration der 30er Jahre hat viele Dokumente jüdischen Lebens in die Diaspora verlagert und somit oft erhalten. Auch viele Kochbücher und Rezepte haben für lange Jahrzehnte in Schränken und Schubladen in New York und anderswo gelegen und kommen jetzt, mit der Auflösung der Haushalte der Emigranten durch die Enkel, ans Licht.

Dr. Frank Mecklenburg, der in Berlin studiert und promoviert hat, ist seit zwanzig Jahren wissenschaftlicher Direktor des Leo Baeck Institute New York und Leiter des umfangreichen Archivs zu deutsch-jüdischer Kultur und Geschichte.

Für die jüdische Geschichte in Mitteleuropa stellt die Zeit des Überganges von der Antike zum Mittelalter ein Vakuum dar. Es fehlen aus mehreren Jahrhunderten sowohl historische Quellen als auch archäologische Funde, um diese Periode beschreiben zu können. Im Vortrag soll versucht werden, einerseits die Lücke zu definieren, andererseits aber auch geprüft werden, ob es indirekte Zeugnisse vor allem aus dem Bereich der Archäologie gibt, die neue Einsichten zu diesem Desiderat vermitteln können.

Ole Harck war Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Kiel. Neben seiner Tätigkeit als Archäologe mit einem Schwergewicht auf Norddeutschland und Dänemark erforschte er die jüdische Geschichte in Schleswig-Holstein. Seit seiner Pensionierung vor rund zehn Jahren standen "Archäologische Studien zum Judentum in der europäischen Antike und dem zentraleuropäischen Mittelalter" – so der Titel seines 2014 erschienenen Buches – im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten.

Die Entdeckung der reichen Ausmalung der Synagoge in Dura Europos, das älteste erhaltene jüdische Gotteshaus der Welt, veränderte die jüdische Kunstgeschichte auf entscheidende Weise. Die archäologischen Funde im "Pompeji der Syrischen Wüste" enthüllen ein detailiertes Bild des Alltagslebens. Sie zeigen die Verschmelzung der griechischen mit der semitischen Kultur und den beiden monotheistischen Religionen: dem Judentum und dem gerade entstehenden Christentum. Angesichts dieser Funde war die Wissenschaft gezwungen, sich der Erforschung der religiösen, sozialen und kulturellen Hintergründe dieser abgelegenen Gemeinde zu stellen und die Vorstellungen einer Koexistenz und einer gegenseitigen Toleranz in der griechisch-römischen Welt neu zu definieren.

Dr. Naomi Feuchtwanger-Sarig ist Kunsthistorikerin und erforscht seit vielen Jahren jüdische Kunst und Kultur, zur Zeit arbeitet sie am Goldstein-Goren Diaspora Research Center der Universität Tel Aviv.

Wer hätte gedacht, dass Adolf Hitler persönlich eine Synagoge unter Denkmalschutz gestellt hat? Und doch ist dies 1938 bei der mittelalterlichen Synagoge im österreichischen Bruck a. d. Leitha geschehen. Fehlinterpretationen haben in der Vergangenheit immer wieder für Debatten und kuriose Fälle bei der Identifikation jüdischer Architektur gesorgt. Archäologen, Bauforscher oder Kunsthistoriker sehen sich gerade im Hinblick auf Bauten und Befunde aus der Antike und aus dem Mittelalter wiederholt mit dem Problem konfrontiert, ein Bauwerk als "jüdisch" zu verifizieren. Im Vortrag sollen aktuelle und historische Fallbeispiele vorgestellt werden, bei denen solche Zuweisungen zu mitunter seltsam anmutenden Interpretationen und Thesen geführt haben.

Simon Paulus, Absolvent der TU Braunschweig und langjähriger Mitarbeiter am Institut für Baugeschichte und der Bet Tfila, ist zur Zeit als Architekturhistoriker an der Universität Stuttgart tätig. Im Rahmen seiner 2005 abgeschlossenen Dissertation "Die Architektur der aschkenasischen Synagoge im Mittelalter" und weiterführender Forschungen beschäftigte er sich eingehend mit der Identifikation jüdischer Ritualbauten im architektonischen Kontext.

Mehr als Zwiebeltürmchen und vergoldete Kuppeln... In seinem Vortrag nimmt Dr. Levin das Publikum mit zu den zahlreichen sakralen aber auch profanen Bauwerken, die russische Auftraggeber im Heiligen Land zwischen der Mitte des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet haben. Hinter den Fassaden sucht er Zusammenhänge zwischen Bauaktivität und politischen Zielen aufzuzeigen und somit die Rolle der russischen Architektur im politisch-ideologischen Wettstreit mit den europäischen Mächten, anderen christlichen Kirchen sowie auch mit den orthodoxen Mitstreitern in Palästina darzustellen.

Dr. Vladimir Levin, geboren in St. Petersburg, ist israelischer Historiker und seit zwei Jahrzehnten Mitarbeiter an der Architekturabteilung des Center for Jewish Art, Hebrew University of Jerusalem. Sein besonderes Interesse gilt der russisch-jüdischen Geschichte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In diesem Rahmen erforscht er nicht nur die jüdischen Bauwerke in Osteuropa, sondern beschäftigt sich auch mit den zahlreichen Bauten, die russische Gemeinschaften im Heiligen Land errichtet haben.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Jerusalem ein Schmelztiegel verschiedenster architektonischer Einflüsse. Christliche Kirchen aus aller Herren Länder hatten schon seit dem 19. Jahrhundert. versucht, sich mit ihren Bauwerken einen Platz im Heiligen Land zu sichern. Die jüdischen Einwanderungswellen und der Aufbau eines jüdischen Staates mit Jerusalem als angestrebte Hauptstadt brachten neue Ideen nach Erez Israel. Klimatisch angepasste Bautraditionen und lokale Materialien wie der Jerusalemer Kalkstein regten die Architekten zu unterschiedlichen Adaptionen europäischer und orientalischer Vorbilder an. In den späten 20er und in den 30er Jahren entwickelte sich ein Formenrepertoire, das man als spezifische Jerusalemer Moderne bezeichnen kann – zwischen "orientalischem Art deco", "Bauhaus" und "International Style".

Ulrich Knufinke, langjähriger Mitarbeiter der Bet Tfila – Forschungsstelle, konnte sich dank Stipendien der Minerva-Stiftung intensiv mit der modernen Architektur Jerusalems in der Zeit des Britischen Mandats – zwischen Erstem Weltkrieg und der Gründung des Staates Israel – befassen. Sein Wegweiser "Bauhaus – Jerusalem" erschien 2011.

Jerusalem – religiöses Zentrum und Wohnstätte von Juden, Christen und Muslimen zugleich – war in seiner Geschichte mehrfach umkämpft. Die Anfänge der Stadt liegen in der Zeit weit vor den biblischen Königen Salomon und David und der Errichtung des Tempel auf dem Berg Moria im 10. Jh. v. Chr. Seither prägten verschiedene Herrscher und Geschlechter – wie die Israeliten, Babylonier, Römer, Araber, Osmanen – die Stadt und ihre Bauten. In seinem Vortrag nimmt Ronny Reich die Besucher mit auf eine Reise durch Jerusalem und 3.000 Jahre seiner Geschichte, die sich in archäologischen Schichten widerspiegelt.

Ronny Reich ist Professor für Archäologie an der Universität Haifa und leitender Archäologe der Israel Antiquities Authority. In den vergangenen Jahrzehnten unternahm er zahlreiche Ausgrabungen in der Altstadt von Jerusalem und den angrenzenden Bereichen. Zusammen mit der Bet Tfila – Forschungsstelle arbeitet er an der Erforschung der jüdischen Ritualbäder (Mikwen) in Deutschland.

Das 19. Jahrhundert stellte die Blütezeit der europäischen Synagogen dar. Im Zuge der Aufklärung hatten politische, soziale und wissenschaftliche Neuerungen zu einer verbesserten gesellschaftlichen Situation der Juden geführt, die ihren Ausdruck in einer Neugestaltung der Synagogen fand. Von den einfachen, außen meist schlicht gestalteten Synagogenräumen vollzog sich eine Wandlung des Synagogenbaus im Streit zwischen Orthodoxie und Verbürgerlichung.

Prof. Klein ist Architekturhistoriker und unterrichtet an der Szent István Universität in Budapest. In seinem Vortrag nimmt er den Zuhörer mit auf die Reise durch die prächtigen jüdischen Gotteshäuser im habsburgischen Ungarn zwischen dem ausgehenden 18. Jahrhundert und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei charakterisiert er Ordnungs- und Gestaltungsmerkmale, die über eine einfa- che stilistische Einordnung hinausgehen.