Bet Tfila
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Dissertationen an der Bet Tfila – Forschungsstelle

An der Bet Tfila – Forschungsstelle wurden bislang folgende Dissertationen zum Themenfeld der jüdischen Architektur in Europa betreut:

 

Katrin Keßler: "Rituelle Voraussetzungen für den Bau neuzeitlicher Synagogen in Zentraleuropa"

Der Gottesdienst einer jüdischen Gemeinde unterscheidet sich nicht nur von dem anderer religiöser Gemeinschaften – auch innerhalb des Judentums gibt es entscheidende Unterschiede innerhalb der Gemeinden. Die Diaspora brachte verschiedenste liturgische Formen hervor, die in ihrem Ursprung natürlich in der antiken jüdischen Liturgie wurzeln, jedoch durch die besonderen Lebensumständen der Juden im jeweiligen Land ebenso beeinflußt sind. Die beiden Haupt-Richtungen – Aschkenasim und Sephardim – zeigen dies am deutlichsten. Mit Sephardisch (Sefarad, hebr.= spanisch) bezeichnet man Juden, die ihren Ursprung auf die Iberische Halbinsel zurückführen oder die Rituale benutzen , die von dort stammen, während Aschkenasim (Aschkenas, hebr.= Deutschland) Juden französischer, oder deutscher Abstammung sind und später z.B. nach Osteuropa und in Teile Mittel- und Westeuropas emigriert waren. Aschkenasische und sephardische Gottesdienste unterscheiden sich voneinander z.B. in der Art der Gebete oder dem Ablauf der liturgischen Handlungen, was sich in der Einrichtung ihrer Synagogen widerspiegelt.
Ziel der Dissertation wird es sein, diese Unterschiede herauszuarbeiten, zu deuten und ihren Einfluß auf die architektonische Form zu untersuchen.

Die Dissertation ist als Band 2 der Bet Tfila – Schriften im Michael Imhof Verlag erschienen.

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Ulrich Knufinke: "Bauwerke jüdischer Friedhöfe in Deutschland. Lösungen einer Bauaufgabe zwischen Historismus und Moderne"

Die Bauwerke jüdischer Friedhöfe in Deutschland, die bislang weder systematisch erfaßt noch hinsichtlich ihrer baugeschichtlichen und kulturhistorischen Bedeutung erforscht sind, zeugen heute, nach der Zerstörung oder weitgehenden Veränderung der Synagogen seit 1938, oft als einzig erhaltene Gebäude von den Möglichkeiten jüdischer Gemeinden, ihre Kultur in einer meist ablehnend eingestellten Umwelt auch architektonisch zum Ausdruck zu bringen. Aus rituellen und hygienischen Anforderungen, dem Repräsentationswillen der Bauherren und den Gestaltungsvorstellungen der Entwerfer entstanden besonders im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert bemerkenswerte Lösungen dieser Bauaufgabe, deren Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert anhand eines zu erstellenden Katalogs sämtlicher Bauwerke jüdischer Friedhöfe zu verfolgen sein wird. Bei der Analyse signifikanter Bauten zwischen Historismus und Moderne wird das Wechselspiel zwischen allgemeiner Stilentwicklung und dem in dieser Zeit viel diskutierten Anspruch, eine für das Judentum spezifische architektonische Form zu finden, neu zu betrachten sein.

Die Dissertation ist als Band 3 der Bet Tfila – Schriften im Michael Imhof Verlag erschienen.

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Simon Paulus: "Mittelalterliche Synagogen der Aschkenasim – Typologie und Verbreitung"

Ausgehend von Richard Krautheimers grundlegender Arbeit "Mittelalterliche Synagogen" (Berlin, 1926) widmet sich dieses Forschungsvorhaben erstmalig einer umfassenden Dokumentation, Untersuchung und Einordnung sämtlicher belegter Synagogen des Mittelalters in den Kontext romanischer und gotischer Sakral- und Profanarchitektur. Räumlich beschränkt sich das Forschungsgebiet dabei auf den Siedlungsraum aschkenasischer Juden, das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und seiner östlich angrenzenden Nachbarregionen. Zeitlich wird die Untersuchung durch die ersten greifbaren frühmittelalterlichen Zeugnisse jüdischer Kultur im Kernsiedlungsgebiet der aschkenasischen Juden, den ehemaligen römischen Kolonialstädten am Rhein, und den für die Entwicklung abendländisch-jüdischer Kulturgeschichte einschneidend wirkenden Pogromwellen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit begrenzt.
Einen Schwerpunkt dieser Arbeit bildet dabei neben einer Zusammenstellung und Dokumentation sämtlicher belegbarer Objekte der Versuch einer Typologisierung der Baugattung 'Synagoge' und die damit verbundene vergleichende Einordnung in die Architekturlandschaft gotischer und romanischer Bauformen, hier insbesondere der Typus der ein- und zweischiffig gewölbten Halle.
Ziel ist es, mit dieser Untersuchung einen möglichst vollständigen Überblick über die Synagogenarchitektur der mittelalterlichen aschkenasischen Tradition in Europa zu gewinnen und einen Gebäudetypus zu beleuchten, der wegen seiner vielfältigen inneren und äußeren Beschränkungen mit zu den interessantesten Nebenerscheinungen mittelalterlicher Architektur zählen darf.

Die Dissertation ist als Band 4 der Bet Tfila – Schriften im Michael Imhof Verlag erschienen.

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Tobias Lamey: "Die Steinsynagogen in Polen-Litauen im 16. und 17. Jahrhundert – Architekturen jüdischer Versammlungen"

In Polen-Litauen entwickelt sich im 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts ein außergewöhnlich vielfältiges und neuartiges architektonisches Programm von Synagogen. Bezüglich Größe, Strukturmerkmalen und Binnenorganisation der einzelnen Bauten weist dieses Programm eine große Breite an Varianten und Typen auf. Christliche Architekten und jüdischen Bauherrenschaften entwickeln und errichten vor dem Hintergrund kirchlicher und staatlicher Bauvorgaben diese "Häuser der Versammlung" – bet ha-knesseth.

Der allgemeingeschichtliche Hintergrund ist davon geprägt, daß damals Juden in Polen-Litauen wie in keinem anderen Land eine sehr weitreichende politische Autonomie erhalten und daß sie hier neben Safed in Palästina das wichtigste kulturelle Zentrum in der Diaspora bilden.

Inhalt der Dissertation ist die Untersuchung der Genese ausgewählter Fallbeispiele. Dabei werden zum einem und vorrangig die Bauten selbst auf ihre architektonischen Elemente und Eigenschaften hin untersucht, um ihre Entwicklung nachzuzeichnen. Die Ergebnisse werden in Beziehung zur allgemeinen Architekturgeschichte gesetzt. Zum anderen werden sowohl davon losgelöst, als auch damit verbunden die allgemeingeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Hintergründe untersuchend herangezogen, um so möglicherweise die Auffassungen der Bauherrenschaften ins Verhältnis zu den errichteten Architekturen setzen zu können.

Hypothetisch wird davon ausgegangen, daß die jüdischen Bauherrenschaften hier erstmals einen weitreichenderen Einfluß als bisher auf die architektonische Gestaltung der Synagogen ausübten. Dies betrifft vor allem die Entwicklung der Raumstruktur mit dem sogenannten "Vier-Pfeiler-Tabernakel" in der Mitte des Raumes.

Die Dissertation ist online in der Digitalen Bibliothek der UB Braunschweig publiziert.

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Heidi Vormann: "Synagogen in Mecklenburg – Eine baupflegerische Untersuchung"

Das rituelle jüdische Leben in Mecklenburg-Vorpommern wurde einst in den Synagogen und Betsäalen der kleinen Landstädte von Mecklenburg und Vorpommern gelebt. Während vor 1933 noch in vielen provinziellen Ansiedlungen eine Synagoge oder zumindest ein jüdischer Betsaal anzutreffen war, sind heute nur noch dreizehn der ehemaligen Synagogenbauwerke erhalten. Diese befinden sich für Mecklenburg und Vorpommern in Boizenburg, Bützow , Crivitz, Dargun, Demmin , Goldberg, Hagenow, Krakow am See, Neubukow, Plau am See, Röbel, Stavenhagen und Tessin. Ein Teil der jüdischen Bethäuser wird heute als Wohnhaus genutzt oder dient unterschiedlichen christlichen Gemeinschaften als Kirche. Ein anderer Teil steht kurz vor dem Einsturz oder wird bewusst dem Verfall preisgegeben.

Auf Anfrage bei den heutigen Eigentümern erhielt ich für neun der ehemaligen Synagogengebäude die Erlaubnis, ihre Bausubstanz mit den Möglichkeiten der Bauforschung zu untersuchen. Zum Bearbeitung traf ich eine Auswahl, welche ehemaligen Synagogen ich miteinander vergleichen wollte. Die Entscheidung fiel auf Boizenburg, Dargun, Hagenow, Krakow am See, Plau am See und Stavenhagen.

Im Zuge meiner gesamten Forschungen sind mittlerweile um die 70 Aufmaßpläne entstanden, welche den Ist-Zustand der einzelnen Gebäude dokumentieren. Hierbei ist besonders zu erwähnen, dass mehr als die Hälfte der Gebäude heute anderweitig genutzt wird und nur zerstörungsfrei, das heißt ohne Befundschlitze, ohne Bohrungen und ohne Grabungen untersucht werden konnten. Im Zuge meiner Analysen interessierten mich hierbei besonders: die einzelnen Bauphasen der Gebäude, die Gründe für die jeweiligen Nutzungsänderungen und ihr heutiger Verwendungszweck.

Die jüdischen Gemeindehäuser, die Mikwen, sowie die jüdischen Friedhöfe wurden, soweit diese in den einzelnen Ansiedlungen vorhanden und nachzuweisen waren, systematisch mit erfasst.

Die Dissertation ist online in der Digitalen Bibliothek der UB Braunschweig publiziert.

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